Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwalt | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Auguste-Viktoria-Allee 4 (am Flughafen Tegel)
13403 Berlin - Reinickendorf

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

»Die Welt« - Leserfrage

Eine Kündigung will wohl überlegt sein. Doch unsere Mandantin war sich sicher. Sie wollte einen Neuanfang wagen und entschloss sich, ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen. Was eigentlich kein Problem darstellen sollte, entwickelte sich im Nachhinein zu einer echten Herausforderung. Unsere Mandantin hatte die Rechnung nämlich ohne ihren Arbeitgeber gemacht. Dieser weigerte sich schlichtweg, die Kündigung zu akzeptieren. Er war der Meinung, dass sie die Kündigungsfrist nicht eingehalten hätte. Der hauseigene Tarifvertrag sähe eine beidseitige Verlängerung der Kündigungsfrist vor, sodass eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses frühestens im neuen Jahr möglich wäre. Als wäre das allein nicht schon genug, drohte er zudem im Falle der Nichteinhaltung der Kündigungsfrist mit Schadensersatzforderungen. Unsere Mandantin fiel aus allen Wolken. In der Tat sind die wenigsten Arbeitnehmer mit dem Umgang von Tarifverträgen vertraut. Teilweise sind sich manche Arbeitnehmer sogar überhaupt nicht bewusst, dass ein Tarifvertrag auf ihr Arbeitsverhältnis überhaupt Anwendung findet. Davon Kenntnis zu haben ist allerdings ausgesprochen wichtig: Tarifverträge haben auf das Arbeitsverhältnis nämlich unmittelbaren Einfluss und können sowohl Rechte als auch Pflichten begründen, die in jedem Fall einzuhalten sind. Unsere Mandantin hatte jedoch Glück. Der Arbeitgeber hätte den Tarifvertrag genauer lesen müssen. Die Klausel, auf die er sich bezog, war nur für den Arbeitgeber, nicht aber für den Arbeitnehmer bindend. Der Wortlaut war zwar missverständlich, die Rechtslage jedoch eindeutig. Die verlängerten Kündigungsfristen fanden nur für den Arbeitgeber Anwendung. Auch hinsichtlich der Schadensersatzforderung konnten wir unsere Mandantin beruhigen. Solche Forderungen entpuppen sich in den meisten Fällen nur als leere Drohung. Wer Schadensersatz fordern will, muss einen konkreten Schaden beziffern können. Das ist bei Nichteinhaltung einer Kündigungsfrist aber sehr schwer und in der Praxis kaum durchsetzbar. Unsere Mandantin konnte sich mit ihrem Arbeitgeber letztendlich auf einen Aufhebungsvertrag einigen. Sie hatte zwischenzeitlich ein neues Jobangebot bekommen, das ein Arbeitsbeginn erst zum neuen Jahr vorsah. Sie erklärte sich daher bereit, bis zum Ende des Jahres bei ihrem alten Arbeitgeber zu bleiben. Das kam ihm ebenfalls zu gute. Er hatte dadurch genügend Zeit, eine neue Arbeitskraft zu finden. Am Ende stand somit ein guter Kompromiss für beide Seiten.