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Kanzlei Dr. Krenz

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Rückkehr in den Beruf durch effektive Durchsetzung der Elternzeit

»Die Welt« - Leserfrage

Unserer Mandantin ging es um die Rückkehr aus der Elternzeit und den (Wieder-)Einstieg in das Berufsleben. Allerdings sollte es zunächst in Teilzeit sein, da sie sich nachmittags um ihr Kind kümmern wollte. Später sollte dann wieder auf eine volle Stelle aufgestockt werden. Ihr Arbeitgeber gab ihr jedoch zu verstehen, dass man einen Teilzeitantrag mit der Begründung ablehnen würde, dass die Firma auf dieser Führungsebene nur Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt. Derart verantwortungsvolle Positionen würden umfangreiche Abstimmungsprozesse voraussetzen, was nicht mehr gewährleistet sei, wenn ein Mitarbeiter nach dem Mittagessen schon das Büro verlässt und nach Hause geht. Üblicherweise hört sich so etwas ganz danach an, als ob das der Anfang vom Ende ist. Und tatsächlich musste unsere Mandantin Klage erheben, da sie auf ihrem Recht bestehen wollte. Ein Teilzeitanspruch ist in der Theorie relativ leicht zu begründen. In der Praxis ist er jedoch häufig nur schwer durchsetzbar, da sich der Arbeitgeber einen Monat bis zum Beginn der Teilzeit Zeit lassen kann, um den Anspruch abzulehnen. In der Regel muss ein Teilzeitanspruch wegen der beabsichtigten und erforderlichen Betreuung des Kindes sofort umgesetzt werden. Meistens kann der Teilzeitanspruch dann bereits deswegen nicht mehr durchgesetzt werden, weil das Gerichtsverfahren ein paar Monate dauert, bis schließlich ein positives Urteil ergeht. Daher haben wir schon drei Monate vorher geklagt, nachdem feststand, dass der Arbeitgeber mit dem Teilzeitwunsch nicht einverstanden war. Ursprünglich war die Klage gar nicht zulässig, da der Arbeitgeber noch nicht formal wirksam abgelehnt hatte. Die Monatsfrist zur Ablehnung des Teilzeitanspruchs verstrich kurz vor dem entscheidenden Gerichtstermin. Die Klage wurde dadurch im Laufe des Gerichtsverfahrens zulässig und hätte rechtzeitig zu einer effektiven Durchsetzung des Teilzeitanspruchs geführt, was auch der Arbeitgeber realisierte. Er fürchtete offenbar eine Niederlage vor Gericht und machte unserer Mandantin ein Angebot, anstatt der beantragten 25 Stunden 30 Stunden zu arbeiten. Das war für unsere Mandantin akzeptabel, sodass sie zusagte. Letztlich hatte sie Glück gehabt, denn meistens geht es nicht so glimpflich aus.