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Kanzlei Dr. Krenz

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Recht und Unrecht

»Die Welt« - Leserfrage

Zunächst beginnt alles verheißungsvoll. Arbeitgeber und Mitarbeiter gehen davon aus - oder erhoffen zumindest -, dass die Zusammenarbeit gelingen wird und erfolgreich ist. Davon ging auch mein Mandant aus, als er in seiner neuen Firma einen verantwortungsvollen Posten übernahm. Nach ungefähr einem Jahr stellen sich jedoch schwerwiegene Probleme in der Kommunikation mit seinem Chef ein, wie er berichtete. Zunächst versuchte man zu retten, was noch zu retten war und versetzte ihn in eine andere Abteilung. Nachdem es auch dort nicht mehr klappte, gab man meinem Mandanten den Laufpass und schmiss ihn raus. Wie immer, wenn die Probezeit verstrichen ist, bringt das für den Arbeitgeber erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Der Arbeitnehmer genießt dann nämlich Kündigungsschutz und die Kündigung muss sauber begründet werden. Weiche Faktoren, wie eine gestörte Kommunikation, erfüllen diese Anforderungen in der Regel nicht. Auf meine Nachfrage teilte mir unser Mandant mit, dass Abmahnungen auch nicht ausgesprochen wurden, was in diesen Fällen die Regel ist. Faktisch hatte der Arbeitgeber also nichts in der Hand! Im Prozess buddelte der Arbeitgeber daher tief in der „Trickkiste“ und holte schmutzige Vorwürfe raus. Mein Mandant soll seine Spesen fehlerhaft abgerechnet haben. Außerdem soll er Firmeneigentum mit nach Hause genommen und damit rechtswidrig unterschlagen haben. Der Höhepunkt war der Vorwurf, dass er mehrfach gegen ein angebliches Alkoholverbot verstoßen haben soll. Alle Vorfälle zusammengerechnet würden nach Auffassung der Firma eine Kündigung rechtfertigen. Die Vorwürfe konnten wir leicht „auseinanderpflücken“. Eine fehlerhafte Spesenabrechnung ist noch lange kein Kündigungsgrund, es sei denn der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer betrügerisches Verhalten nachweisen, was ihm vorliegend nicht gelang. Fehler kommen schließlich immer wieder vor. Bei dem Firmeneigentum handelte es sich um einen Computer, der lediglich noch nicht zurückgegeben wurde, da der Arbeitgeber seinerseits die beträchtliche Bonuszahlung zurückhielt. Der Vorwurf, gegen ein Alkoholverbot verstoßen zu haben, war leicht widerlegt, da mein Mandant Handyfotos vorlegen konnte, die ihn, seine Kollegen und die Geschäftsführung des Unternehmens bei einem Geschäftsessen zeigte, bei dem jeder Teilnehmer ein Sektglas in der Hand hielt. Ohne Kündigungsgrund zu kündigen zahlt sich nicht aus. Jedenfalls nicht für den Arbeitgeber. Für unseren Mandanten dagegen schon. Er bekam die ausstehende Bonuszahlung zugesprochen und oben drauf noch eine stattliche Abfindung.