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Kanzlei Dr. Krenz

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Kündigung wegen sexueller Belästigung

»Die Welt« - Leserfrage

Der Verwaltungsleiter eines Krankenhauses bat uns um Unterstützung in einer heiklen Angelegenheit. Ein langjähriger Oberarzt konnte seine Augen nicht von seinen Mitarbeiterinnen lassen und sparte nicht mit anzüglichen Bemerkungen. Beim ersten Mal ließ der Arzt eine sexuelle Bemerkung über die Oberweite und die Figur einer Krankenschwester fallen. Der zweite Vorfall ereignete sich nachts beim Umkleiden. In diesem Fall machte er einer weiteren Schwester ein unzweideutiges Angebot, mit ihm zu schlafen. Der Verwaltungsleiter war verzweifelt, weil keine der beiden betroffenen Damen offen gegen ihren Chef aussagen wollte. Ihm waren die Vorwürfe lediglich über eine zuverlässige Quelle zugespielt worden. Eines aber war klar: Der Arzt war nicht mehr tragbar. Erfahrungsgemäß handelt es sich bei derartigen Vorfällen nur um die „Spitze des Eisbergs“. Ich riet ihm daher, trotzdem das Gespräch mit den Schwestern zu suchen und nachdem sie die verbalen Übergriffe bestätigt hatten, den Oberarzt damit zu konfrontieren. Entgegen aller Erwartungen stritt er die Vorfälle nicht ab, sondern versuchte lediglich, sie zu verharmlosen. Dadurch war der Weg zur Kündigung frei. Was zunächst nach einer komplizierten Kündigung wegen des Verdachts sexueller Belästigung aussah, entpuppte sich als relativ problemlose Angelegenheit. Der Betriebsrat winkte die fristlose Kündigung durch. Natürlich erhob der Arzt Klage beim Arbeitsgericht. Vor Gericht erwies sich seine persönliche Deutung als „charmante und zielgerichtete Anmache“ als wenig nachvollziehbar. Außerdem kommt es nicht darauf an, wie er sein Handeln verstand, sondern wie es sich nach außen hin darstellte. Erschwerend kam für ihn hinzu, dass er Schwestern aus seinem Team belästigte. Aufgrund des Vorgesetzten-Untergebenen-Verhältnisses standen die beiden Damen unter einem besonderen Druck. Wir trugen im Prozess u.a. vor, dass sie fürchten mussten, bei der nächsten Mitarbeiterprämienbeurteilung schlechter abzuschneiden. Im Ergebnis folgte das Gericht unserer Auffassung. Auch in der Berufung gab es für den Arzt nichts zu holen. Auf die hohen Abfindungsforderungen wollte sich das Krankenhaus nicht einlassen, sodass die fristlose Kündigung das Arbeitsverhältnis schließlich wirksam beendete.