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Kanzlei Dr. Krenz

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Kündigen trotz freier Stellen

»Die Welt« - Leserfrage

Arbeitgeber versuchen es immer wieder – doch ohne Erfolg. Obwohl es zahlreiche freie Stellen im Unternehmen gibt, werden Mitarbeiter auf die Straße gesetzt. So auch bei meinem Mandanten, der niedergeschlagen in der Kanzlei erschien. Sein Chef hatte schon längere Zeit vor, sich von ihm zu trennen. Jetzt ist es schließlich passiert. Allerdings hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf gezieltes Nachfragen hin konnte mein Mandant bereits im Erstgespräch von mehreren offenen Stellen berichten, die er übernehmen konnte. Für den Arbeitgeber erweisen sich freie Stellen nämlich häufig als Stolperstein. Gibt es freie Stellen in der Firma, dann muss dem Arbeitnehmer ein Angebot gemacht werden, bevor eine Beendigungskündigung ausgesprochen wird. Selbst wenn der Mitarbeiter das Angebot mehrfach ablehnt, ist eine Kündigung trotzdem unwirksam. Der Arbeitgeber hätte anstatt der Beendigungskündigung eine sog. Änderungskündigung aussprechen müssen. Weil die Änderung der Arbeitsbedingungen ansonsten nicht gerichtlich überprüft werden könnte, kann das Arbeitsverhältnis sogar bei Ablehnung eines Weiterbeschäftigungsangebots nicht sofort beendet werden. Häufig will der Arbeitgeber das aber nicht, weil er den Mitarbeiter schlichtweg loswerden will. Im Gegensatz zur Beendigungskündigung wird das Arbeitsverhältnis bei einer Änderungskündigung nicht aufgelöst. Im Falle einer Änderungskündigung wird dem Arbeitnehmer die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses zu geänderten Arbeitsbedingungen angeboten, wobei dieses Angebot meistens mit einer Reduzierung der Vergütung oder mit einem Arbeitsplatzwechsel verbunden ist. Der gekündigte Arbeitnehmer kann dann dagegen Klage erheben. Der Vorteil für den Arbeitnehmer liegt auf der Hand: Erweist sich die Kündigung als wirksam, ist das Arbeitsverhältnis nicht beendet, sondern wird zu den geänderten Arbeitsbedingungen fortgesetzt. Voraussetzung ist, dass das vom Arbeitgeber unterbreitete Änderungsangebot unter Vorbehalt angenommen wird. Wichtig ist: Die Annahme muss innerhalb von drei Wochen direkt gegenüber dem Arbeitgeber erklärt werden, ansonsten wandelt sich die Änderungskündigung in eine Beendigungskündigung um. Hier war der Fall klar: Wir haben den Kündigungsschutzprozess gewonnen. Der Arbeitgeber ging „mit Pauken und Trompeten“ unter. Heute arbeitet unser Mandant in einer anderen Abteilung. Der Chef wurde dagegen mittlerweile entlassen.