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Kanzlei Dr. Krenz

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Haftung des Arbeitnehmers

»Die Welt« - Leserfrage

Für seine Fehler muss jeder selber geradestehen. Dieser Ansicht war auch der Chef unseres Mandanten, der uns vor einiger Zeit um juristische Beratung bat. Ihm war bei der Arbeit ein unglückliches Missgeschick passiert. Bei einem Überweisungsvorgang unterlief ihm ein bedauerlicher Zahlendreher, was zu einem Schaden im sechsstelligen Bereich führte. Sein Arbeitgeber war verständlicherweise alles andere als begeistert und verlangte, dass unser Mandant sämtliche Kosten tragen müsste. Auch wenn der Arbeitgeber mit seiner Annahme prinzipiell richtig lag, gelten im Arbeitsrecht andere Regeln. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts haftet der Arbeitnehmer nämlich nur in einem gewissen Umfang. Die Frage, wann ein Arbeitnehmer für Schäden persönlich haftet, hängt davon ab, ob der Schaden vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt wurde. Beruht der Schaden nur auf leichter Fahrlässigkeit, muss ein Arbeitnehmer nicht haften. Kleine Fehler können schließlich jedem einmal passieren. Hat der Arbeitnehmer dagegen mit „mittlerer" Fahrlässigkeit gehandelt, kann ihn der Arbeitgeber am entstandenen Schaden beteiligen. Die Haftung wird in diesen Fällen häufig halbiert oder gedrittelt. Übersteigt der Schaden im erheblichen Maß sein Einkommen, kann die Haftung noch zusätzlich beschränkt werden. Das wird von Gericht zu Gericht allerdings unterschiedlich gesehen. Besteht eine Versicherung haftet der Arbeitnehmer regelmäßig nur im Umfang der Selbstbeteiligung. Handelt der Arbeitnehmer letztendlich grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich, muss er für den Schaden im vollen Umfang eintreten. Das gilt z.B. dann, wenn der Arbeitnehmer eine rote Ampel übersieht oder angetrunken fährt. Vorliegend stellte sich heraus, dass die Versicherung der Bank den Großteil des Schadens übernahm. Hinsichtlich des Haftungsmaßstabs bestand durchaus die Gefahr, dass im Fall des Falles ein Gericht auf mittlere Fahrlässigkeit erkennen würde, was unseren Mandanten in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gebracht hätte. Wir konnten jedoch im Ergebnis vereinbaren, dass der Arbeitnehmer eine Abmahnung bekommt, die nach zwei Jahren wieder aus der Personalakte genommen werden sollte. Der restliche - immer noch beträchtliche - Schaden wurde unserem Mandanten dagegen erlassen, sodass er mit einem blauen Auge davonkam.