Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwälte | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Fitnessstudio und Arbeitsunfähigkeit

»Die Welt« - Leserfrage

Auf manche Begegnungen kann man gerne auch verzichten. Das dachte sich wohl auch unser Mandant, als er im Fitnessstudio unerwartet seinem Personalleiter begegnete. Unser Mandant litt zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten an einem Burn-Out und war seitdem krankgeschrieben. Um sich von seinem Leiden abzulenken, ging er dreimal die Woche ins Fitnessstudio. Als er dort auf seinen Personalleiter stieß, kam es zu einer verständlicherweise unangenehmen Situation. Der Personalleiter zeigte sich nämlich trotz aller Erklärungsversuche uneinsichtig. Er drohte unserem Mandanten sogar mit der fristlosen Kündigung, sollte er nicht ganz schnell genesen und am nächsten Tag wieder zur Arbeit kommen. Durch einen Blick in die jedermann zugänglichen Trainingspläne entdeckte der Personaler nämlich die Häufigkeit der Fitnessstudiobesuche unseres Mandanten. Krank sein und Trainieren sei Krankfeiern und nach seiner Meinung ein Widerspruch in sich. Als unser Mandant am daraufhin zu einem Beratungstermin in der Kanzlei erschien, konnten wir ihn jedoch beruhigen. Der Personalleiter unterlag nämlich einem weit verbreiteten Irrtum. Grundsätzlich gilt, dass ein Arbeitnehmer während seiner Krankschreibung alles machen darf, was er möchte. Einzige Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit seiner Gesundung nicht entgegensteht. Welche Unternehmungen der Arbeitnehmer im Einzelnen tätigen darf, hängt daher von der Erkrankung selbst ab. Wer Fieber und Schüttelfrost hat, muss natürlich im Bett bleiben. Handelt es sich hingegen z.B. um einen Armbruch, ist ein abendlicher Restaurant- oder Kneipenbesuch unbedenklich. Schließlich erfordert nicht jedes Leiden, eine strikte Bettruhe. Selbst Sport kann im Einzelfall erlaubt sein, wenn dadurch der Heilungsprozess gefördert wird. Genauso verhielt es sich bei unserem Mandanten. Sein Arzt hatte ihm sportliche Aktivitäten sogar ausdrücklich empfohlen. Von einem heilungswidrigen Verhalten unseres Mandanten konnte also nicht die Rede sein. Ein anwaltliches Schreiben und ein ärztliches Attest konnten den Personalleiter von der Aussichtlosigkeit einer Kündigung überzeugen. Im Ergebnis nahm er seine Kündigungsandrohung zähneknirschend zurück.