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Aushandeln von Abfindungen

Artikel in »Die Welt«

Eine „dicke Abfindung“ stehe ihm zu, sagte ein Mandat von mir, nachdem ihm gekündigt worden war. Ich musste seine Hoffnungen leider dämpfen und ihm sagen, dass bei einer Kündigung nur dann ein Anspruch auf finanziellen Ausgleich besteht, wenn die Sozialpläne oder Tarifverträge das vorsehen. Einen gesetzlichen Abfindungsanspruch gibt es dagegen nicht.

Dennoch – die Chancen meines Mandaten auf eine finanzielle Entschädigung standen nicht schlecht, weil dem Arbeitgeber im Zuge der Kündigung massive Fehler unterlaufen waren. So übersah er eine offene Stelle in der Firma, die er meinem Mandanten vor Ausspruch der Kündigung unbedingt als Alternative hätte anbieten müssen. In diesen Fällen zahlen Arbeitgeber meistens Abfindungen, um sich „loszukaufen“. Es lohnt es sich darum für Arbeitnehmer, mit dem Arbeitgeber über eine Abfindungszahlung zu verhandeln und notfalls auch Klage zu erheben. Den Rechtsweg zu gehen, ist in diesem Fall üblich: Abfindungen werden meist vor Gericht in Kündigungsschutzverfahren ausgehandelt. Rund 80 Prozent der Verfahren werden einvernehmlich mit einem Abfindungsvergleich abgeschlossen.

Die Höhe der Abfindung wird zunächst nach der Faustformel „halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr“ berechnet. Sie kann aber auch wesentlich höher ausfallen – zum Beispiel, wenn die Kündigung voraussichtlich unwirksam ist. Will sich ein Arbeitgeber auf jeden Fall von seinem Arbeitnehmer trennen, ist das sogar die Regel. Das heißt: Wenn ein Risiko für den Arbeitgeber besteht, den Kündigungsschutzprozess zu verlieren, steigen die Chancen auf mehr Geld. Verdient ein Arbeitnehmer zum Beispiel nach zehn Jahren Beschäftigung 5000 Euro brutto, so würde sich eine „normale“ Abfindung nach der Faustformel auf 25.000 Euro belaufen. Legt man aufgrund guter Erfolgsaussichten dagegen ein ganzes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr zugrunde, beläuft sich die Abfindung schon auf 50.000 Euro. In dem vorliegenden Fall hat mein Mandat sogar das Zwanzigfache seines Bruttogehalts als Abfindung erhalten.

Wer eine Abfindung aushandeln will, muss also seine Erfolgschancen einschätzen können – und die hängen davon ab, dass die Wirksamkeit einer Kündigung zutreffend juristisch eingeordnet wird.