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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Stromdiebstahl am Arbeitsplatz

Ein Kollege wurde abgemahnt, weil er sein Handy am Arbeitsplatz aufgeladen hat. Ich finde das übertrieben. Darf der Arbeitgeber wegen einer solchen Kleinigkeit abmahnen?

Die Welt wird immer digitaler. Ein Leben ohne Handy ist heute schier undenkbar. Tendiert der Akku gegen null, bricht schnell Panik aus. Die Steckdose am Arbeitsplatz kommt in solchen Situationen gerade recht. Doch wer kurz innehält, wird sich fragen müssen, ob das tatsächlich unproblematisch ist. Auch wenn der Strom in greifbarer Nähe ist, die Nutzung ist deswegen noch lange nicht erlaubt. Der Stromanschluss am Arbeitsplatz gehört nämlich zum Betrieb. Die Entscheidung, wie der Strom genutzt wird, liegt daher allein beim Arbeitge-ber. Ob Handy, Tablet oder Kaffeemaschine, ohne sein Einverständnis läuft nichts. Wer seine Elektrogeräte im Büro benutzen bzw. aufladen will, benötigt die Zustimmung vom Chef. Das muss nicht unbedingt ausdrücklich erfolgen. Weiß der Arbeitgeber von der privaten Stromnutzung und duldet er sie stillschweigend, dürfen Mitarbeiter ihre Elektrogeräte auch aufladen und gebrauchen. Arbeitsrechtliche Folgen drohen in diesem Falle nicht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Benutzung ungefährlich ist und niemanden bei der Arbeit stört. Das Aufladen des Handys dürfte daher in der Regel unproblematisch möglich sein. Wichtig ist nur, dass ein Einverständnis, sei es stillschweigend oder ausdrücklich, auch vorliegt. Was viele als Lappalie abstempeln, kann sich nämlich als im Übrigen sogar strafbaren Stromdiebstahl entpuppen. Eine Abmahnung ist da prinzipiell sicher. Das gilt selbst bei geringeren Strommengen. Bei einem massiven Stromentzug kann unter Umständen sogar die Kündigung drohen. Entscheidend ist letztendlich wie immer der Einzelfall. Wer jegliches Risiko vermeiden möchte, sollte am besten vor der ersten Nutzung klären, was am Arbeitsplatz erlaubt ist und was nicht. Fragen kostet nichts und erst recht nicht den Arbeitsplatz. Die Chancen, dass der Chef die in der Regel ohnehin nur geringfügige Stromnutzung erlaubt, stehen dann gleich viel besser.