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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Ständige Erreichbarkeit

Mein Chef verlangt von mir, dass auch nach Feierabend ständig erreichbar bin. Ich will das aber nicht. Darf ich nein sagen oder muss ich seine Anweisung akzeptieren?

Nach einer aktuellen Studie ist jeder zweite deutsche Arbeitnehmer auch in seiner Freizeit per Laptop und Smartphone ständig erreichbar. Für den Arbeitnehmer heißt das jede Menge Stress. Ausschlaggebend für den zu erbringenden Arbeitsumfang ist in erster Linie der Arbeitsvertrag. Sind feste Arbeitszeiten festgeschrieben, kann der Arbeitgeber den Umfang der Arbeitszeit nicht einseitig ausdehnen. Besteht hingegen keine feste Regelung, kann vom Arbeitnehmer durchaus verlangt werden, auch nach dem offiziellen „Feierabend“ dienstlich erreichbar zu sein. In diesem Falle müsste die tatsächlich geleistete Arbeit prinzipiell auch als Arbeitszeit anerkannt und entsprechend vergütet werden. Immer zu beachten ist, dass die gesetzliche Höchstgrenze der erlaubten Arbeitsstunden nicht überschritten wird. Nach dem Arbeitszeitgesetz beträgt die tägliche Arbeitszeit acht Stunden, im Ausnahmefall auch bis zu maximal zehn Stunden. Außerdem ist gesetzlich vorgegeben, dass jeder Arbeitnehmer nach getaner Arbeit eine Ruhezeit von elf Stunden beanspruchen kann. Für den Arbeitgeber heißt das konkret, dass er in dieser Zeit seine Mitarbeiter nicht derart in Beschlag nehmen darf, dass man die Zeit als Arbeitszeit einstufen müsste. Es kommt daher auf den Umfang der Beanspruchung an. Das freiwillige Abhören von Nachrichten oder Versenden von E-Mails darf dem Arbeitgeber nicht zugerechnet werden. Der Mitarbeiter ist in diesem Falle zur Arbeit nicht verpflichtet und hat „freiwillig“ gearbeitet. Die Forderung nach einer ständigen Erreichbarkeit hat dagegen den Charakter einer Rufbereitschaft, die bekanntlich erst dann als Arbeitszeit gilt, wenn tatsächlich gearbeitet wird.