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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Schichtarbeit

Ich soll zukünftig die Sonntagsschicht übernehmen. Ich bin seit zehn Jahren im Betrieb und musste bisher noch nie Sonntagsarbeit machen. Ich finde das unfair. Darf mein Chef einseitig meine Schichten ändern?

Der Sonntag gehört mir. Für viele Arbeitnehmer ist das so selbstverständlich wie eindeutig. Ob nun der obligatorische Frühstücksbrunch mit anschließendem Flohmarktbummel oder ob andere Pläne den Sonntag prägen – darauf verzichten möchte keiner. Die Frage, inwieweit der Chef den Sonntag für sich beanspruchen darf, hängt wie so oft vom Einzelfall ab. Ratsam ist zunächst, einen Blick in den Arbeitsvertrag zu werfen. Ist die Arbeitszeit dort fest geregelt, ist eine Änderung nicht möglich. Vertrag ist schließlich Vertrag. Je konkreter die Arbeitszeit festgelegt wurde, desto weniger kann der Chef einseitig Änderungen vorzunehmen. In der Praxis ist es daher oftmals üblich, die Arbeitszeit nur allgemein zu regeln und an die betrieblichen Erfordernisse zu knüpfen. Dem Arbeitgeber steht in diesem Fall ein Weisungsrecht zu, mit dem er die Arbeitsleistung näher festlegen kann. Solange es dem Arbeitsvertrag nicht widerspricht, darf er die Arbeitszeiten festlegen, wie es für den Betrieb dienlich ist. Ist im Betrieb Sonntagsarbeit üblich, ist die Einteilung für die Schicht somit erlaubt. Völlig frei ist der Arbeitgeber in seiner Entscheidung allerdings nicht. Er ist verpflichtet, die Lage der Arbeitszeit nach „billigem Ermessen“ zu bestimmen. Das bedeutet, dass er nicht nur seine eigenen, sondern auch die Interessen seiner Mitarbeiter berücksichtigen muss. So können z.B. familiäre Gründe, wie die Betreuung eines Kindes, gegen einen bestimmten Schichteinsatz sprechen. Der Einwand, dass der Arbeitnehmer die Schicht bisher noch nie übernommen hat, ist dagegen nicht ausreichend. Das gilt selbst bei jahrelanger Praxis. Betroffene Unglücksraben sollten den Kopf trotzdem nicht hängen lassen. Selbst wenn die Chancen auf den ersten Blick nicht gut aussehen, ein Gespräch mit dem Chef schadet nicht. Im Wechsel mit den Kollegen, die erste Wahl bei der nächsten Urlaubsplanung… eine Lösung mit der alle leben können, findet sich bestimmt.