Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwalt | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Auguste-Viktoria-Allee 4 (am Flughafen Tegel)
13403 Berlin - Reinickendorf

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Scheinselbstständigkeit 2

Ich bin seit drei Jahren selbstständig. Ich habe jedoch nur einen Auftraggeber, da er meine gesamte Zeit in Anspruch nimmt. Ein Freund von mir meinte nun, dass ich möglicherweise scheinselbstständig bin. Kann das stimmen?

Sein oder nicht sein. Das ist immer noch die Frage. Womit sich schon Shakespeare vor langer Zeit beschäftigt hat, ist in der modernen Arbeitswelt weiterhin hochaktuell, und zwar bei der Klärung, ob ein Arbeitnehmerstatus vorliegt oder Scheinselbstständigkeit. Wann eine Scheinselbstständigkeit vorliegt, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Von einer Scheinselbstständigkeit ist jedenfalls dann die Rede, wenn jemand zwar offiziell als selbstständig betitelt wird, in Wirklichkeit aber wie ein Arbeitnehmer für einen Arbeitgeber tätig ist. Wie der Begriff also bereits erahnen lässt, sind die Betroffenen nur zum Schein selbstständig und in Wahrheit sowohl von der Art als auch vom Umfang wie ein normaler Arbeitnehmer beschäftigt. Vorkommen kann das überall – als freischaffender Arzt im Krankenhaus, als Dozent für die Volkshochschule oder als „unabhängiger“ Journalist bei der Zeitung. Bestimmte Anzeichen sind für eine richtige Einordnung richtungweisend. Sind zum Beispiel bestimmte feste Arbeitszeiten einzuhalten, müssen Weisungen des Auftraggebers uneingeschränkt Folge geleistet und müssen sogar zwingend seine Räume genutzt werden, liegt die Vermutung nahe, dass eine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Schein-selbstständige sind oftmals vollständig in die Arbeitsorganisation ihres Auftraggebers eingebunden und können dessen Weisungen kaum widersprechen. Werden sie trotzdem nicht als Arbeitnehmer behandelt, kann das ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Besonders hinsichtlich der nicht abgeführten Sozialversicherungsbeiträge drohen hohe Nachzahlungen, insbesondere für die Firma, aber auch für den Arbeitnehmer. Wer also lieber früher als später klare Verhältnisse schaffen will, kann den Status bei der deutschen Rentenversicherung überprüfen lassen. Diese Frage wäre dann zumindest endgültig geklärt.