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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Kündigung wegen Redens

Ich verstehe mich mit meinen Kollegen sehr gut. Es kommt daher hin und wieder vor, dass wir uns auf Arbeit ein wenig verquatschen. Ein Bekannter meinte zu mir, wir sollten besser aufpassen. Ansonsten könne uns der Chef irgendwann kündigen. Stimmt das?

Ein positiv gestimmtes Betriebsklima ist Gold wert. Das weiß jeder Arbeitgeber. Mitarbeiter, die sich gut verstehen, arbeiten schließlich wesentlich besser und vor allem effektiver zusammen als solche, die sich nicht mal leiden können. Wer sich daher hin und wieder mit seinen Kollegen unterhält, riskiert sicherlich noch keine Kündigung. Übertreiben sollten es Arbeitnehmer aber trotzdem nicht. So schön ein gutes Betriebsklima nämlich auch ist, bezahlt wird in erster Linie nicht angenehmes Unterhalten, sondern das gemeinsame Arbeiten. Plaudern Mitarbeiter daher ohne Unterlass und vergessen dabei hin und wieder ihre Arbeit, müssen sie damit rechnen, dass der Chef irgendwann die Reißleine zieht. Ob er dabei eine Kündigung in Betracht ziehen darf, entscheidet der Einzelfall. Entscheidend für eine verhaltensbedingte Kündigung ist, dass das Arbeitsverhältnis durch Mitarbeiter derart belastet wird, dass dessen Fortsetzung zwangsläufig ausgeschlossen erscheint. Der Arbeitgeber muss hierfür eine umfassende Interessenabwägung vornehmen. Eine Kündigung ist nur gerechtfertigt, wenn selbst ein besonnener und verständiger Arbeitgeber zu dem Schluss kommen würde, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar ist. Zu berücksichtigten sind dabei insbesondere die ungestörte Dauer der bisherigen Zusammenarbeit, die Art und Intensität der Pflichtverletzung sowie die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung der Missetaten. Im vorliegenden Fall werden die Voraussetzungen für eine Kündigung daher zu verneinen sein. Doch auch wenn eine Kündigung vorerst ausgeschlossen scheint, sicher sind allzu redefreudige Arbeitnehmer nicht. Der Arbeitgeber kann immer noch abmahnen. Eine Kündigung rückt damit zumindest näher. Darauf anlegen sollten es Arbeitnehmer daher, allem Rededrang zum Trotz, lieber nicht.