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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Kündigung auf Verdacht

Auf Arbeit verschwinden seit kurzem immer wieder Wertgegenstände. Immer in der Schicht eines bestimmten Mitarbeiters, der dann alleine auf Arbeit ist. Nachweisen konnten wir ihm den Diebstahl aber nie. Können wir trotzdem kündigen?

Im Zweifel für den Angeklagten. Jeder kennt diesen bekannten Grundsatz unserer Rechtsordnung. Im Arbeitsrecht gilt er jedoch nicht. Hier genügt bereits der Verdacht eines strafbaren bzw. vertragswidrigen Verhaltens. Ist die Tat nicht zweifelsfrei nachweisbar, kann trotzdem gekündigt werden. Um aber zu verhindern, dass ein Unschuldiger seinen Arbeitsplatz verliert, sind an die sog. Verdachtskündigung immens hohe Anforderungen zu stellen. Zunächst muss sich der Verdacht aus objektiven Tatsachen ergeben. So aufgebracht der Arbeitgeber auch sein mag, seine persönliche Einschätzung ist nicht entscheidend, sondern ob ein verständiger und gerecht abwägender Arbeitgeber in dieser Situation eine Kündigung aussprechen würde. Wird dies bejaht, muss der Verdacht dringend sein. Es muss nahezu sicher feststehen, dass der verdächtigte Arbeitnehmer die Pflichtwidrigkeit tatsächlich begangen hat. Bloße Vermutungen reichen hierfür nicht aus. Weiterhin muss die Vertragsverletzung von so erheblichem Gewicht sein, dass sie im nachgewiesenen Falle eine Kündigung rechtfertigen könnte. Das nötige Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss dadurch zerstört sein. Neben diesen Voraussetzungen ist besonders wichtig, dass der Arbeitgeber alles ihm Mögliche und Zumutbare getan hat, um den Sachverhalt aufzuklären. Insbesondere muss der betroffene Arbeitnehmer vor der Kündigung angehört und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden. Erst wenn der Arbeitgeber auch nach der Stellungnahme weiterhin von der Schuld des Arbeitnehmers überzeugt ist, kann gekündigt werden.