Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwalt | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Auguste-Viktoria-Allee 4 (am Flughafen Tegel)
13403 Berlin - Reinickendorf

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Krankheitsgründe und BEM

Ich bin vor einigen Tagen arbeitsunfähig erkrankt. Mein Chef möchte gerne den Grund meiner Krankheit erfahren. Ich finde aber, dass ihn das nichts angeht. Muss ich ihm die Krankheitsursache nennen?

Fragen kostet nichts. Fällt ein Mitarbeiter über längere Zeit krankheitsbedingt aus, haken viele Chefs gerne nach und möchten die Ursache der Krankheit näher erfahren. Nicht jedem Arbeitnehmer ist das recht. Ob aufrichtige Besorgnis oder ernste Zweifel an der Krankschreibung Grund für die unerwartete Nachfrage ist, lässt sich nämlich nicht ohne weiteres feststellen. Die gute Nachricht lautet daher: Nachfragen ist zwar nicht verboten, darauf antworten muss der erkrankte Mitarbeiter aber nicht. Der Grund der Krankheit ist Privatangelegenheit und geht den Arbeitgeber nichts an. Auf der Krankschreibung wird die Art der Krankheit daher ebenfalls nicht genannt. Von anderer Seite, wie z.B. von der Krankenkasse oder vom Arzt, kann der Arbeitgeber ebenfalls nichts erfahren. Sie trifft eine Schweigepflicht. Das gleiche gilt im Übrigen auch für den Betriebsarzt. Lässt sich ein Arbeitnehmer vom Betriebsarzt untersuchen, darf er den Arbeitgeber nur darüber informieren, ob der Mitarbeiter für die aktuell ausgeübte Tätigkeit oder für eine künftige Position gesundheitlich geeignet ist. Die genaue Diagnose darf er jedoch nicht weitergeben. Doch auch wenn keine Auskunftsplicht besteht, in einigen Fällen kann die Mitteilung der Krankheitsgründe durchaus sinnvoll sein. Das ist z.B. beim BEM, das Betriebliche Eingliederungsmanagement, der Fall. Ziel des BEM ist es, gemeinsam zu überlegen, wie die Arbeitsunfähigkeit überwunden werden kann. Leidet ein Arbeitnehmer z.B. beim Sitzen unter chronischen Rückenschmerzen, kann ein höhenverstellbarer Tisch Abhilfe schaffen, den der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Das geht aber natürlich nur, wenn der Arbeitgeber die Gründe der Krankheit kennt. Arbeitnehmer sollten sich hierauf jedoch nur einlassen, wenn der Arbeitgeber tatsächlich helfen will. Wer ernsthafte Zweifel daran hat, sollte das BEM besser ablehnen. Nachteile dürfen ihm hieraus nicht entstehen.