Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwälte | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Fragen im Vorstellungsgespräch

Was genau darf ein Arbeitgeber in einem Vorstellungsgespräch fragen? Ist jede Frage erlaubt? Darf ich bei unzulässigen Fragen die Antwort verweigern?

Im Vorstellungsgespräch sind nicht alle Fragen erlaubt. Nur wenn die Frage zulässig ist, muss wahrheitsgemäß geantwortet werden. So hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Bewerberinnen um einen Arbeitsplatz nicht danach gefragt werden dürfen, ob sie schwanger sind oder ob sie vorhaben, schwanger zu werden. Deshalb darf jede Frau auf diese Frage ohne weiteres mit „nein" antworten. Es handelt sich um das sogenannte „Recht zur Lüge". Konsequenzen darf der getäuschte Arbeitgeber daraus nicht ziehen. Dasselbe gilt prinzipiell für die Frage nach einer Schwerbehinderung. Im laufenden Arbeitsverhältnis darf der Arbeitgeber dagegen nach neuerer Rechtsprechung erlaubter Weise nach der Schwerbehinderung fragen. Wird dagegen nach einschlägigen Vorstrafen gefragt, kommt es auf den Einzelfall an. Ein Buchhalter darf nicht verschweigen, wenn er bereits wegen Unterschlagung oder Veruntreuung vorbestraft ist. Straftaten, die nichts mit der Arbeitsstelle zu tun haben, müssen dagegen nicht offen gelegt werden. Fragen nach Erkrankungen sind nur dann zulässig, wenn das für die Arbeitsposition wichtig ist. Besteht Ansteckungsgefahr für Mitarbeiter oder Kunden, muss immer die Wahrheit gesagt werden. Werden zulässige Fragen falsch beantwortet, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten oder das Arbeitsverhältnis kündigen. Der ersehnte Arbeitsplatz ist dann mit sofortiger Wirkung weg. Es handelt sich bei der Anfechtung um eine Art fristlose Kündigung. Ein Betriebsrat muss allerdings in diesem Fall nicht beteiligt werden. Der Arbeitgeber hat nach Entdecken der Lüge ein Jahr Zeit, um das Arbeitsverhältnis durch Anfechtung zu beenden.