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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Entgeltfortzahlung bei Sportunfall

Ich habe vor kurzem mit Karate angefangen. Ein Kollege meinte nun zu mir, ich solle das bloß nicht meinem Chef erzählen. Bei einem Sportunfall hätte ich keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Stimmt das?

Karate, Boxen, Bungee Jumping, Wildwasser-Rafting: Der Leidenschaft im Sport sind keine Grenzen gesetzt. Doch mit dem Kick steigt auch die Gefahr. Arbeitgeber zeigen sich bei Extremsportarten daher eher skeptisch. Trotzdem gilt: Was der Arbeitnehmer in seiner Freizeit macht, ist Privatsache und geht den Arbeitgeber nichts an. Fällt ein Mitarbeiter wegen einer Sportverletzung aus, hat er auch in diesem Fall Anspruch auf Fortzahlung seines Gehalts. Doch es gibt Grenzen. Ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht nur dann, wenn der Arbeitnehmer seinen Ausfall nicht selbst verschuldet hat. Wann ein Verschulden vorliegt, ist nicht näher geregelt. Das Bundesarbeitsgericht erkennt ein schuldhaftes Verhalten regelmäßig dann an, „wenn der Arbeitnehmer in erheblichen Maße gegen die von einem verständigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartende Verhaltensweise verstößt“. Übersetzt heißt das: Übt der Arbeitnehmer eine Sportart aus, die seine Kräfte und Fähigkeiten deutlich übersteigt, kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung ausnahmsweise verweigern. Das gleiche gilt, wenn der Arbeitnehmer die für die Sportart geltenden Regeln missachtet oder übliche Sicherheitsvorkehrungen unterlässt. Doch nicht jeder Sportunfall lässt sich auf ein Fehlverhalten zurückführen. Die Argumentation, dass sich der Sportler besser hätte vorsehen müssen, genügt nicht. Ein gewisses Unfallrisiko liegt in der Natur des Sports, sodass der Arbeitgeber schon konkrete Anhaltspunkte für ein schuldhaftes Verhalten darlegen muss. Etwas anderes gilt nur bei besonders verletzungsanfälligen Sportarten. In diesen Fällen ist bereits die Ausübung derart gefährlich, dass ein Verschulden bereits von vornherein bejaht wird. Bislang sind allerdings nur Kickboxen und Bungee Jumping als gefährliche Sportarten anerkannt. Karate gehört ausdrücklich nicht dazu. Dem Spaß sollte daher nichts mehr im Wege stehen.