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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Diskriminierung in Stellenausschreibungen

Ich möchte mich auf eine Stelle als Erzieher bewerben. In Stellenanzeigen wird jedoch immer wieder ausdrücklich nur nach einer „Erzieherin“ gesucht. Ich fühle mich diskriminiert. Was kann ich dagegen unternehmen?

Unerheblich ob in der Presse, im Internet oder auch nur am Schwarzen Brett – die Frage, ob ausschließlich nach männlichen oder weiblichen Bewerbern gesucht wird, darf bei Stellenausschreibungen keine Rolle spielen. Wer nach einer „zuverlässigen Sekretärin“, einer „engagierten Erzieherin“ oder nach einem „erfahrenen Geschäftsführer“ sucht, bewegt sich - zumindest juristisch gesehen - auf sehr dünnem Eis. Grund dafür ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt. Dessen Credo lautet nämlich, dass Stellenanzeigen prinzipiell keine Hinweise darauf enthalten dürfen, ob Bewerber mit bestimmten Merkmalen bevorzugt werden oder unerwünscht sind. Laut Gesetz darf ein Bewerber nicht wegen seines Geschlechts und außerdem auch nicht wegen seiner Rasse oder ethnischen Herkunft, seiner Behinderung, seiner Religion oder Weltanschauung, seiner sexuellen Identität oder seines Alters benachteiligt werden. Stellenausschreibungen müssen grundsätzlich neutral verfasst werden, ohne Anhaltspunkte für eine Diskriminierung zu bieten. Geschlechtsneutral ist eine Ausschreibung aber nur dann, wenn sie sich mit ihren Formulierungen sowohl an Frauen als auch an Männer richtet. Richtet sich ein Stellenangebot trotzdem nur an ein Geschlecht, kann jeder abgelehnte (diskriminierte) Bewerber, der für die Stelle ansonsten geeignet ist, Schmerzensgeld verlangen. Die Prozesschancen für abgelehnte Bewerber stehen mehr als gut. Eine nicht neutral formulierte Anzeige stellt nämlich nach den gesetzlichen Vorgaben bereits ein Indiz dafür dar, dass der Bewerber bei dem Auswahlprozess benachteiligt wurde. Der Arbeitgeber muss also beweisen, dass er keine Diskriminierung beabsichtigt hat. Gelingt ihm das nicht, was der Regelfall ist, muss er sich seine unglückliche Formulierung anrechnen lassen und zahlen. Ein Anspruch auf Einstellung besteht dagegen nicht.