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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Arbeitszeit und Wegezeit

Ich habe einen Dienstwagen, mit dem ich morgens Kollegen bei der Firma abhole. Wir fahren dann gemeinsam zur Baustelle und abends wieder zurück zur Firma. Meine Chefin berechnet unsere Arbeitszeit aber immer nur von Ankunft auf der Baustelle bis zur Abfahrt. Ist das rechtens?

Arbeitszeit muss bezahlt werden. So sieht es das Gesetz vor. Für die meisten Arbeitnehmer ist diese Rechnung einfach aufgestellt, zum Beispiel bei einem klassischen Bürojob von neun bis fünf. Bei Tätigkeiten, die (längere) Anfahrtszeiten mit sich bringen, wird das dagegen oftmals schwierig. Tatsächlich deklarieren immer noch viele Arbeitgeber die Anfahrtszeit als Zeit, die von ihnen nicht bezahlt werden muss. Anfahrtszeit als Arbeitszeit ist hier undenkbar. Doch weit gefehlt! Die Arbeitszeit beginnt und endet an der Arbeitsstelle. Richtig ist, dass das für die meisten Arbeitnehmer im Baugewerbe die Baustelle ist. Die Arbeitszeit beginnt und endet daher in der Tat grundsätzlich mit dem Antritt und dem Verlassen der Baustelle. Soweit so gut. Wie so oft gibt es jedoch auch hier Ausnahmen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Mitarbeiter morgens früh nicht sofort zur Baustelle, sondern zuerst in den Betrieb fahren. Erhalten sie dort Arbeitsanweisungen oder müssen sie zunächst Baumaterial sowie Werkzeug einladen und fahren anschließend zur Baustelle, beginnt die Arbeitszeit bereits im Betrieb. Die Fahrzeit von der Betriebsstätte zur Baustelle ist dann zu vergütende Arbeitszeit. Laut der aktuellen Rechtsprechung tritt der Arbeitnehmer nämlich diese Fahrt auf Weisung des Arbeitgebers an. Die Fahrten gehören daher zu den arbeitsvertraglichen Pflichten des Mitarbeiters. Auch alle weiteren Fahrzeiten, wie etwa zu anderen Baustellen, sind laut Auffassung der Richter als Arbeitszeit zu bewerten. Nicht eindeutig geklärt ist damit jedoch die Frage, wie diese Arbeitszeit letztendlich zu vergüten ist. Angemessen erscheint der übliche Stundenlohn, sofern triftige Gründe nicht dagegen sprechen. Wurde die Anfahrtszeit bisher nicht bzw. nicht ausreichend vergütet, sollten Mitarbeiter am besten ein Gespräch mit ihrem Chef suchen. Weigert sich dieser, bleibt leider nur der Gang zum Gericht. Wie weit man letztlich gehen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.