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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Anfahrtzeit als Arbeitszeit

Ich bin Handwerker und für meinen Arbeitgeber häufig auswärts im Einsatz. Oft fahre ich mehrere Stunden zum Einsatzort. Diese Zeit wird mir nicht bezahlt. Ist das rechtmäßig?

Sind längere Anfahrtszeiten zum Arbeitsort Privatvergnügen oder Arbeitszeit? Diese Frage ist ein Dauerbrenner. Für diejenigen, die längere Anfahrtswege zum Kunden oder zu Baustellen haben, ist die Antwort von hoher Bedeutung. Je mehr Stunden in Rede stehen, desto wichtiger wird die Frage nach Freizeitausgleich oder Bezahlung der Anfahrtszeit. In vielen Betrieben scheint es immer noch gängige Praxis zu sein, die Anfahrtszeit zu einem Kunden als Ruhezeit zu deklarieren. Zu Unrecht! Bereits im Jahr 2009 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass die Anfahrtszeiten zu einem Kunden zur Arbeitszeit gehören. Außendienstmitarbeiter hätten schließlich gar keinen festen Arbeitsort. Um ihre vertraglich geschuldete Arbeitsleistung erbringen zu können, sind sie zu einer ständigen Fahrtätigkeit verpflichtet. Nach dem Sinn und Zweck ihrer Arbeit sollen Handerker oder Außendienstmitarbeiter Baustellen bzw. Kunden ja gerade einen Besuch abstatten und ihre Tätigkeit vor Ort verrichten. Ohne entsprechende Anreise geht das aber nicht. Nach Ansicht der Richter muss daher die Zeit, die Außendienstmitarbeiter für die Anfahrt benötigen, als Arbeitszeit gewertet werden. Um jeden Zweifel auszuräumen, stellten die Richter zudem klar, dass auch die Fahrten zum ersten und zum letzten Kunden zählen würden. Von welchem Ort aus der Mitarbeiter die Fahrt antritt, spielt keine Rolle. Betroffene Mitarbeiter können also aufatmen. Egal wie lange die Fahrt dauert, der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Zeit zu vergüten. Das wurde letztes Jahr vom Europäischen Gerichtshof erneut bestätigt. Wurde die Anfahrtszeit bisher nicht vergütet, sollten Mitarbeiter unbedingt ein Gespräch mit ihrem Chef suchen. Weigert sich der Arbeitgeber, bleibt nur der Gang zum Gericht. Wie weit man letztlich gehen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.