Foto vom Brandenburger Tor

Kanzlei Dr. Krenz

Rechtsanwalt | Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mainzer Str. 17 (am Bundesplatz)
10715 Berlin - Wilmersdorf

☎ 030 / 29 36 901 - 0
✉ buero@krenz-kanzlei.de

Auguste-Viktoria-Allee 4 (am Flughafen Tegel)
13403 Berlin - Reinickendorf

Kompetenz • Seriosität • Qualität

Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Alkoholabhängigkeit

Ein Kollege von uns ist vermutlich alkoholabhängig. Muss er mit einer Kündigung seines Arbeitsverhältnisses rechnen?

Alkoholabhängigkeit wird von der Rechtsprechung zunächst als Krankheit eingestuft. Grundsätzlich ist dabei zwischen zwei verschiedenen Konstellationen zu unterscheiden. Das alleinige Bestehen einer Krankheit ist zunächst noch kein Kündigungsgrund. Vielmehr muss eine Alkoholsucht zu erheblichen Ausfallzeiten von mehr als sechs Wochen pro Jahr und zwar jeweils für die zurückliegenden drei Jahre geführt haben. Erst dann handelt es sich um eine schwer wiegende Beeinträchtigung des Arbeitsverhältnisses, was - gekoppelt mit einer negativen Gesundheitsprognose - den Arbeitgeber zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses berechtigen kann. Insbesondere wenn im Unternehmen ein striktes Alkoholverbot existiert, fordert die Rechtsprechung, dass der Arbeitgeber dem alkoholkranken Arbeitnehmer die Möglichkeit zum Antritt einer Entziehungskur einräumen muss. Verweigert der Arbeitnehmer die Entziehungskur, kann der Arbeitgeber kündigen. Tritt der Arbeitnehmer dagegen die Kur an, durchläuft er sie erfolgreich und kommt es später zu einem Rückfall, ist umstritten, wie das zu bewerten ist. Früher wurde im Wesentlichen die Auffassung vertreten, dass es die Schuld des Arbeitnehmers ist, wenn er rückfällig wird, sodass der Weg für den Arbeitgeber zur Kündigung frei war. Nach neueren medizinischen Erkenntnissen muss bei diesem Krankheitsbild allerdings typischerweise mit einem Rückfall gerechnet werden. Eine wirksame Kündigung ist danach nicht möglich. Maßgeblich kommt es im Ergebnis auf den Arbeitnehmer an, insbesondere auf seine Einsichts- und Durchhaltefähigkeit. Auswertungen zufolge sollen zahlreiche Alkoholkranke durch entsprechende Initiativen in der Firma wieder „trocken“ geworden sein. Der Griff zur Flasche ist jedoch ein hohes Risiko und führt neben der Gefahr von Arbeitsunfällen zur Gefährdung des Arbeitsplatzes.