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Kanzlei Dr. Krenz

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Berliner Morgenpost „Arbeit&Recht”

Dr. Heiko Peter Krenz,
Fachanwalt und Rechtsanwalt für Arbeitsrecht ist Inhaber der Kanzlei Dr. Krenz und beantwortet Fragen unserer Leser zum Arbeitsrecht

Abmahnung und Kündigung

Ein Freund von mir wurde abgemahnt. Ich habe ihm zur Vorsicht geraten. Er meinte aber, dass eine Kündigung sowieso erst nach drei Abmahnungen ausgesprochen werden dürfte. Er sei also noch auf der sicheren Seite. Kann man das so pauschal sagen?

Erst nach drei Abmahnungen darf gekündigt werden. Diesen Satz hört man häufig. In dieser Allgemeinheit ist die Aussage aber falsch. Welche Anzahl von Abmahnungen für eine Kündigung erforderlich ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Die klassische Antwort des Juristen lautet hierauf: Es kommt drauf an. Entscheidend ist - wie eigentlich immer - der Einzelfall. Es ist zwar richtig, dass der Arbeitgeber prinzipiell eine Abmahnung aussprechen muss, bevor er das Fehlverhalten seiner Mitarbeiter mit einer Kündigung ahnden darf. Fehler unterlaufen schließlich jedem und das ist im Arbeitsverhältnis normal. Jeder Arbeitnehmer soll zunächst eine Chance bekommen, Fehler zu korrigieren bzw. das Verhalten ändern zu dürfen, bevor er endgültig gehen muss. Der Arbeitgeber hat deshalb genau darzulegen, um welches konkrete Fehlverhalten es geht und gegen welche Vorschrift dadurch verstoßen worden ist. Nicht fehlen darf bei einer Abmahnung zudem der Hinweis, dass im Wiederholungsfalle die Kündigung droht. Ansonsten handelt es sich nur um eine rechtlich bedeutungslose Ermahnung. Natürlich gibt es keinen Grundsatz ohne Ausnahme. In manchen Fällen darf der Arbeitgeber auch gleich, d.h. ohne Abmahnung, kündigen. Sie ist zum Beispiel dann entbehrlich, wenn sich der Arbeitnehmer von vornherein uneinsichtig zeigt und signalisiert, dass er sein Verhalten auch zukünftig nicht ändern wird. Eine Abmahnung wäre sinnlos, sodass der Arbeitgeber sofort zur Kündigung berechtigt ist. Auch bei sehr schweren Verstößen, die das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unwiderruflich zerstören, kann eine Abmahnung entbehrlich sein. Zeigt der Arbeitgeber also bereits die „gelbe Karte“ sollte das der Betroffene durchaus ernst nehmen. Auch wenn jeder eine zweite Chance verdient, selbstverständlich ist das in der Arbeitswelt nicht.